Tlf. (+34) 91 519 92 65
Área de Clientes
Tlf. (+34) 91 519 92 65
Área de Clientes

Kleine Gärten – große Vielfalt

von | Jun 11, 2019 | Blog | 0 Kommentare

Der Deutsche und sein Garten ist ungefähr so wie Berlin und die Spree, wie München und das Oktoberfest, wie Hamburg und der Hafen… sie gehören zusammen. Dabei ist die sprichwörtliche Liebe der Deutschen zu ihrem kleinen Stückchen Land viel mehr als nur das Klischee von Apfelbaum und Gartenzwerg. Dafür spricht die steigende Nachfrage nach einem Garten in der Stadt, in dem man dann so richtig nach Herzenslust Tomaten und Salat anbauen, Blumen pflanzen, Himbeeren und Birnen ernten und nicht zuletzt im Sommer grillen, die frische Luft genießen und seine Ruhe haben kann.

Die Idee der Kleingärten in Deutschland ist schon fast 200 Jahre alt. Ursprünglich als zusätzliche Versorgungsquelle der ärmeren Stadtbevölkerung mit frischem Obst und Gemüse gedacht, retteten die Kleingärten wahrscheinlich in der schlimmen Nachkriegszeit mehr als eine Familie vor dem Verhungern. Bekannt sind Deutschlands Kleingärten auch als Schrebergärten oder unter der Bezeichnung Schrebervereine. Zurückzuführen ist der Name auf den Leipziger Orthopäden Moritz Schreber (*1808, †1861), der aber mit dem Gärtnern an sich eigentlich gar nichts zu tun hatte. (Info Wikipedia) Von ihm kam die Idee zu Plätzen in der Stadt, die der „körperlichen Ertüchtigung“ dienten. Nach seinem Tod weihte man ihm zu Ehren im Jahr 1865 am Johannapark in Leipzig den ersten „Schreberplatz“ ein, eine Spielwiese, auf der Kinder von Fabrikarbeitern von einem Pädagogen betreut spielen und turnen konnten. Später erst legte man hier mit den Kindern zusammen auch kleine Beete an, um ihnen zu zeigen, wie man pflanzt und gießt und jätet und erntet.

Somit ist die Idee des Kleingartens heute aktueller denn je. Klimawandel, die Entfremdung des Menschen von der Natur, die Verdichtung der Städte… Ein Kleingarten kann all diese Probleme nicht lösen, aber das Konzept ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nahrung wird da produziert, wo sie gegessen wird (Philosophie 0 km), Urban Gardening (städtische Gärten, auf Dachflächen und überall da, wo ein bisschen Platz ist), der Umweltgedanke (Regentonne, organischer Abfall wird kompostiert) und nicht zuletzt ist jedes Eckchen Grün in der Stadt ein Stück Lebensraum für Tiere und Insekten (Artenvielfalt). Das ist auch das diesjährige Thema zum „Tag des Gartens“, der seit 1984 an jedem zweiten Sonntag im Juni vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) veranstaltet wird, „Kleine Gärten – große Vielfalt“.

Und nicht zu vergessen ist der Faktor Wohlbefinden. Ein Mittagsschläfchen in der Hängematte unter Bäumen, ein Grillabend mit der Familie und Freunden an einem lauen Sommerabend oder auch ein Frühstück in der Morgensonne mit Vogelgezwitscher und Bienengesumm… Jetzt im Sommer ist wahrscheinlich die Zeit gekommen, die uns am meisten für all das Gießen und Unkraut zupfen entschädigt. Wobei man sich dessen vielleicht nicht immer bewusst ist, aber die Gartenarbeit, die Beschäftigung im Freien, der Kontakt mit Erde und Pflanzen, das konzentrierte Arbeiten bei allen Tätigkeiten, die im Garten so anfallen, tut uns sehr gut. Es ist der ideale Ausgleich zu unserer oft hektischen Umwelt, zum Stress im Arbeitsumfeld oder auch zu Dingen, die uns beunruhigen oder belasten.

Und wenn man dann das erste Blümchen sieht, die erste selbst gepflanzte Tomate erntet, dann ist man irgendwie… ja, dann ist man für einen Moment glücklich.

Ina Kropeit