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Der längste Tag und die kürzeste Nacht

von | Jun 18, 2019 | Blog | 0 Kommentare

Am Donnerstag, dem 21.06.2019, erreicht die Sonne oberhalb des nördlichen Wendekreises den höchsten Stand im Meridiandurchgang. Astronomisch gesehen beginnt dann der Sommer und nach der kürzesten Nacht und dem längsten Tag des Jahres werden die Nächte von nun ab wieder länger und die Tage kürzer. Die Sonne spendet Wärme, sie lässt Pflanzen wachsen und gedeihen, sie ist wichtig für das Überleben. Sie ist das Sinnbild des Lebens schlechthin und daraus erklärt sich vielleicht auch, warum sich die Verehrung der Sonne bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen lässt. Interessanterweise ist die Sonne im germanischen Sprachraum weiblich, die Sonne als Mutter allen Lebens eben, worüber meine spanischen Schüler oft stolpern, denn in der spanischen Sprache wird unser Zentralgestirn dem männlichen Prinzip zugeordnet. Wer allerdings weiß, wie unbarmherzig die Sonne am Mittelmeer im Hochsommer brennt, kann das irgendwie nachvollziehen. So grausam kann eine Mutter gar nicht sein 😉

 

Dafür, dass der Beobachtung der Sonne und damit auch der Sommersonnenwende schon in den vorchristlichen Kulturen eine besondere Bedeutung zukam, gibt es reichlich Belege. Einer davon ist das erst 1991 aus der Luft entdeckte und 2005 wissenschaftlich rekonstruierte Sonnenobservatorium in Goseck, im Bundesland Sachsen-Anhalt. Die fast 7000 Jahre alte Kreisgrabenanlage gilt unter Wissenschaftlern als das älteste Sonnenobservatorium in ganz Europa und wahrscheinlich auf der ganzen Welt.

 

Die Feste zur Sommersonnenwende hatten vor allem in den germanischen, nordischen, baltischen, slawischen und keltischen Religionen einen festen Platz. Für unsere Vorfahren galt diese Zeit der langen Tage und kurzen Nächte als magisch und geheimnisvoll. Heidnische Bräuche und Rituale mischten sich später mit christlichem Brauchtum. In der christlichen Religion ist der 24. Juni das Fest der Geburt Johannes‘ des Täufers. Der Johannistag wurde zu einer Art „Sommerweihnacht“ und die Nacht vorher zur Johannisnacht.

 

Feuer und Wasser spielen bis heute bei all den überlieferten Traditionen für das Fest zur Sommersonnenwende eine wichtige Rolle. Die wohl bekannteste ist der Sprung über das fast erloschene Feuer. Man sagt, wer über das Feuer springt, überwindet Unheil und reinigt sich von Krankheit. Wenn sich ein Paar beim gemeinsamen Sprung Hand in Hand über das Feuer nicht loslässt, sieht man eine baldige Hochzeit voraus. Und die Asche des Johannisfeuers wurde als Segen auf die Felder gebracht. Sagenumwoben sind die sogenannten “Quellgänge”, die man in manchen Regionen Deutschlands unternimmt. Man geht in der Johannisnacht zu einem flieβenden Gewässer, einer Quelle oder einem Bach, und holt das Wasser von da nach Hause. Man darf dabei auf dem gesamten Weg nicht sprechen und sich um nichts auf der Welt umdrehen. Diesem Wasser werden Wunderkräfte nachgesagt. Die Johanniskränze zieren bis heute viele Orte zum Fest. Früher fertigte man sie aus siebenerlei oder neunerlei Kräutern und Pflanzen, von denen jeder eine bestimmte Bedeutung zukam. Dazu gehören Bärlapp, Beifuβ, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. Diese Kränze wurden über Türen und Fenstern aufgehängt, um sich vor bösen Geistern und Dämonen zu schützen. Ein Johanniskranz unter dem Kopfkissen soll Glück in der Liebe bringen.

Für die Landwirtschaft ist der Johannistag sehr wichtig. Der Tag zählt zu den sogenannten “Lostagen”, an denen die Bauern den Wetterverlauf für das weitere Jahr erkennen können. Viele über Generationen hinweg überlieferte Bauernregeln nehmen zum Beispiel darauf Bezug. Eins davon lautet: Wenn kalt und nass Johannis war, verdirbt er meist das ganze Jahr.

 

Aber ganz gleich, ob ihr bei einer der großen Sommersonnenwendfeiern in Stonehenge, an den Externsteinen in Deutschland, im spanischen Alicante oder in Cornwall feiert oder ob ihr in eurem Heimatort am Baggersee, am Waldrand oder am Meeresstrand eine Sommersonnenwendparty veranstaltet… Behandelt die Natur sorgsam und nehmt bitte euren Müll wieder mit nach Hause!

Ina Kropeit